Portrait von Dimitri Wittwer
Dimitri Wittwer
Strategist & Partner @Gridonic
Feb 8, 2018 6 min read

7 Digital Trends im 2018

Time to Get in Gear!

Renommierte Market Researcher wie Forrester, Gartner, Foresight Factory, Moz oder PSFK sehen 7 Trends, die 2018 für neue Leads, höhere Conversion-Rates und eine aktivere Interaktion sorgen werden. Diese 7 Trends dürfen in keiner Digitalstrategie fehlen.

1. Micro-Moments und Automation

Mobile hat sich wie kein anderer Kanal in den Interaktionen zwischen Marke und Konsument etabliert. Weshalb diese Verschiebung von Desktop zu Mobile so ausgeprägt stattfindet, können wir z.B. durch Google Micro-Moments erklären. Denn unser Leben ist geprägt von einer Vielzahl unterschiedlicher, kleiner oder grosser Handlungen. So will ich als Privatperson ein Haus kaufen, die nächste Tankstelle suchen oder aber als CEO einen neuen Tech-Anbieter evaluieren. All diese kleinen Handlungen sind Micro-Moments, bei denen wir mehr denn je zum Smartphone greifen um nach Antworten zu suchen.

Satte 96% der Konsumenten, die das Bedürfnis haben etwas zu recherchieren, greifen zum Smartphone. Und zwar meistens in jenem Moment, in dem der Gedanke aufkommt. Diese Micro-Moments werden also zu den wichtigsten Touchpoints für Marken, denn genau hier können sie ganz konkret auf Bedürfnisse des Kunden eingehen.

Das konsequente Denken in Micro-Moments wird Manager und Unternehmer zwingen, sich noch gezielter in die Köpfe der Konsumenten zu versetzen und so näher am Kunden und dessen Bedürfnis zu sein. Letztlich resultieren so Massnahmen mit echtem, messbaren Mehrwert für die Konsumenten.

2. Mobile Customer Experience

Die jüngeren Generationen gehören zu den wichtigsten Zielgruppen vieler Marken. Doch gerade deren Informationsbeschaffungs- und Kaufverhalten ändert sich konstant. Ganz speziell in dieser Zielgruppe wird das Smartphone zum wichtigsten Kanal im digitalen Ökosystem und zwar sowohl als Kommunikationstool wie auch als Support-, Recherche-, Vergleichs-, Shopping- oder Bewertungstool. Doch nicht nur die Jungen setzen Smartphones überall ein, auch die ältere Generation hat überproportional an Erfahrung mit mobile Devices dazugewonnen. Durch das Surfen auf Google, Airbnb und Facebook ist sich auch diese etwas ältere Generation eine sehr hohe User Experience gewohnt und stellt folglich zunehmend höhere Anforderungen an Webseiten–auch an die ihres Zahnarztes, Getränkehändlers oder Geschäftspartners.

Users spend most of their time on other sites. This means that users prefer your site to work the same way as all the other sites they already know (Jakob’s Law; Laws of UX.

3. Virtual Companions

After all, tech firm Gartner has long been predicting that by 2020 the average person will have more conversations with bots than with their spouse.

Das mag eine etwas überspitzte Prognose sein. Dennoch werden wir schon im laufenden Jahr mehr Conversational Platforms sehen. Das sind Plattformen, die nach einem bestimmten Dialogmechanismus aufgebaut sind. Solche Systeme können relativ einfache Anfragen wie “Wie wird das Wetter am Wochenende?” bis zu komplexeren Interaktionen wie “Mach eine Reservation beim Italiener am Bahnhofplatz” bearbeiten. Diese Dialog-basierten Plattformen werden sich weiterentwickeln und in Zukunft sogar in der Lage sein, Zeugenaussagen rund um einen Tatort zu sammeln, zu analysieren und basierend darauf eine Skizze des Gesichts des Verdächtigen zu erstellen.

Der Haupterfolgsfaktor solcher Dialog-basierten Plattformen sind letztlich die Conversational Models, also die Dialogstruktur, die dahinter steckt. Sie werden Informationsarchitekturen, wie sie aktuell noch vielerorts im Einsatz sind, grundlegend verändern.

Hier sind drei Beispiele, wie Firmen erste Virtual Companions umgesetzt haben. Die Resultate dieser Initiativen sind meist nicht in den ersten Monaten nach Go-Live messbar. Vielmehr liefern sie wichtige Erfahrungswerte im Umgang mit der neuen Technologie.

Beispiel 1: Replika AI

Replika ist ein Artificial Intelligence Chatbot, welcher ein exaktes Abbild der Persönlichkeit des Users sein soll. Er fragt den User zu Werten, Einstellungen und Verhalten und generiert so eine sogenannte User-Replika.

Replika
https://replika.ai/

Beispiel 2: KLM Care Tag

Im September 2017 hat KLM Care Tag für Amsterdam-Touristen ins Leben gerufen. Der GPS-fähige Anhänger funktioniert ohne Internetverbindung und gibt Location-based Tipps für Sightseeing, Restaurants, Shopping usw.

Beispiel 3: Credit Suisse Digipigi

Die clevere Sparschwein soll durch Interaktionen mit dem User, das Sparen fĂĽr Kinder spannender und lehrreicher gestalten đź‘€.

Credit Suisse
https://www.credit-suisse.com/ch/en/privatkunden/konten-und-karten/viva-kids/digipigi.html

4. Dynamische Inhalte

Die Aufmerksamkeitsspannen sinken, die Informationsflut steigt. Marken bemühen sich zunehmend darum, im entscheidenden Moment die richtige Information bereit zu stellen. Für Webplattformen heisst das weg von traditionellen, statischen Inhaltsseiten hin zu einer dynamischen Informationsarchitektur mit Inhalten, die sich auf Eigenschaften und Verhalten der User anpassen. Solche Inhalte sind explizit und implizit personalisiert und verändern sich je nach Customer Journey. So zum Beispiel wie im folgenden sehr einfachen Szenario:

Ein neuer User navigiert auf meine Webseite. Die Botschaft, die dieser neue Kunde lesen soll ist eine andere als diejenige, die ich einem Bestandskunden mitteilen möchte. Dem neuen Besucher sollte womöglich kurz und ansprechend mitgeteilt werden, welche Produkte im Angebot stehen und wer ich bin. Der bestehende Besucher kennt die Produkte bereits, ihn möchte ich nur auf neue Inhalte hinweisen, die er noch nicht kennt.

Es ist, als würde ich in ein Restaurant gehen, welches ich zuvor bereits besucht hatte. Dort erwarte ich von den Mitarbeitern, dass sie sich an mich erinnern und vielleicht sogar noch wissen, was ich beim letzten Besuch bestellt habe…

Von dynamischen Inhalten lesen wir schon seit einiger Zeit, doch im 2018 werden bekannte Player aus der Finanzindustrie oder dem Retailsektor mit konkreten Lösungen aus ihren Test- & Lernphasen an den Markt gelangen.

5. SEO & Voice Search

Search Engine Optimization hilft Unternehmen, die richtigen Leute zum Zeitpunkt ihrer Suche mit relevanten Inhalten zu bedienen, und so ins Evoked Set –also beim User auf den Radar–zu gelangen.

Selbstverständlich sind unsere Produkte genial und werden von der Zielgruppe geschätzt. Auch die neue Webseite ist nicht nur designtechnisch sondern auch inhaltlich gelungen. Doch erreichen wir die Leute, die wir wollen? Sind wir präsent im Micro-Moment eines Users bzw. potenziellen Neukunden? Ein fundiertes SEO-Konzept bildet die zentrale Basis für Inbound Traffic jeder Webplattform. Dabei spielt die sprachgesteuerte Suche eine immer wichtigere Rolle, denn die Art und Weise wie User eine Suchanfrage formulieren, hängt ganz wesentlich vom Inputmedium, also Tastatur oder Sprache ab.

Hinzu kommt, dass ein initiales SEO-Setup hier meist zu wenig weit greift. Google aktualisiert den Suchmaschinenalgorithmus nämlich über 500 Mal pro Jahr. Wir empfehlen daher, das SEO-Konzept periodisch zu überarbeiten und laufend Anpassungen vorzunehmen.

6. Interaktivität und Markenbekanntheit

Was auch immer wir online konsumieren, ob wichtige Business Inhalte, verspielte Kätzchen oder unterhaltsame Werbung, fast immer sehen wir uns durch Bewegtbildinhalte in Form von Gifs, Videos oder Animationen stärker herangezogen als durch einfache Text- und Bildinhalte. Das verdeutlichen auch die Erfolge der Social Media Portale wie Instagram, Pinterest oder Facebook. Bewegtbildinhalte gelingt es oftmals besser, bestimmte Botschaften einfach und überzeugend darzustellen. Zudem liegt die Erinnerungsfähigkeit bei interaktiver Kommunikation um ein Vielfaches höher, da verschiedene Sinne miteinbezogen werden. Als Konsequenz bleibt die Botschaft und somit auch der Markenname länger im Gedächtnis.

Die Notwendigkeit für Marken, ihre Inhalte vermehrt auch als high-end Bewegtbildformate zu veröffentlichen, wird analog der Entwicklungen im Jahr 2017 auch im aktuellen Jahr wieder stark zunehmen. Wichtig erscheint uns hier auch anzumerken, dass der Videokonsum auf dem Desktop im laufenden Jahr erstmals rückläufig sein wird während er auf Mobile mit 25% wachsen soll (Quelle). Die Ausrichtung der Videoinhalte auf User mit mobilen Endgeräten wird zur Herausforderung.

7. Immersive Experience

Augmented reality (AR), Virtual Reality (VR) und Mixed Reality (MR) verändern die Art und Weise, wie wir Menschen die digitale Welt wahrnehmen und wie wir mit ihr interagieren. Zusammen mit Virtual Companions–also dialog-basierten Plattformen–wird eine fundamentale Veränderung der User Experience hin zu einer echten dreidimensionalen Experience erfolgen. Sowohl Anbieter von Web-Applikation, Systemsoftware und Plattformen werden bei der Entwicklung ihrer Produkte diese immersive Experience zum Ziel haben.

Die Allgegenwärtigkeit von Smartphones, Apple’s Veröffentlichung des ARkits in iOS 11, Google’s ARCore und weiteren Plattform-übergreifenden SDKs wie Wikitude kann davon ausgegangen werden, dass sich AR und vor allem auch MR im Jahr 2018 rasant weiterentwickelt und omnipräsenter wird.